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Regierungsbunker in Ahrweiler: Spannende Reise in die Zeit des Kalten Kriegs

Ein Stück Geschichte des Kalten Krieges: Hinter dieser Fassade beginnt unweit von Ahrweiler der Rundgang durch die Dokumentationsstätte Regierungsbunker. Foto: DokumentationsstätteIm ehemaligen Regierungsbunker in Ahrweiler führen Aktive des Heimatvereins interessierte Besucher durch die Anlage. Rund 200 Meter im Tunnel.

Ahrweiler. Der Wandel könnte gründlicher nicht sein: Einst gehörte der Regierungsbunker zu den Geheimsachen. Heute ist er eine Attraktion für Touristen und geschichtlich interessierte Menschen, die jedem gegen ein mäßiges Eintrittsgeld offen steht – den sachkundigen Führer mit inbegriffen.

Doch damit der krassen Unterschiede zwischen einst und jetzt nicht genug: Von ehedem ziemlich genau 17,3 Kilometern Untertage-Strecke sind nach dem radikalen Rückbau zwischen 2001 und 2006 nur noch rund 200 Meter übrig. Die aber werden von der Leiterin des seit März 2008 hier angesiedelten Dokumentationszentrums, Heike Hollunder, und den Aktiven des Heimatvereins Alt-Ahrweiler, in deren Obhut die Anlage übergangenen ist, mit Witz und Engagement so präsentiert. Ein Besuch hier ist nicht nur lehrreich, sondern macht auch Spaß.

„Werknotdienst": Mit diesen Ausrüstungsteilen bewaffnet wären im Falle eines Unglücks die Mitglieder des Katastrophenschutzes ausgerückt.Ein Glück, dass die Zufahrt von der Umgehungsstraße bei Ahrweiler her gut ausgeschildert ist – sonst könnte der Autofahrer, der über die B 267 saust, die Zufahrt leicht übersehen. Denn diese Zufahrt liegt versteckt, wie sich das für eine Geheimsache gehört, in einem Seitental nahe einer Römervilla.

Für ausreichend Parkplatz vor dem modernen Zugangsbauwerk ist jedenfalls gut gesorgt. Da nimmt es denn auch kaum Wunder, dass das unterirdische Bauwerk seinem Betreiber kaum Kummer, aber dafür nicht zu knapp Freude macht. Was Leiterin Hollunder ebenso knapp wie einleuchtend begründet: „Gerechnet haben wir mit 30 Besuchern pro Tag – heute kommen bis 1200."

Das darf nicht zuletzt Dr. Willibert Herschbach, den Vorsitzenden des Heimatvereins, freuen: 2010 spielte der Bunker 580?000 Euro ein und sorgte – bei Ausgaben in Höhe von 440?000 Euro – in der Ahrweiler Vereinskasse für einen Überschuss von immerhin 140?000 Euro.

Von der Geheimsache zum Kassenschlager: Was für eine Karriere! Deshalb erscheint es kaum als kurios, dass die Betreiber noch im Verlauf dieses Herbstes den 300?000. Untertage-Touristen erwarten. Die Besucher des ehemaligen Regierungsbunkers bekommen auf knappen 203 Metern reichlich etwas geboten – zum Beispiel den surrealen Charme einer Architektur, die ihre Zweckbestimmung nie hat erfüllen müssen. Denn diese Anlage, in der im Falle eines Atomkrieges die Verfassungsorgane Deutschlands wie Bundestag und -regierung ein von Erde und Beton nebst sehr viel Technik geschütztes Obdach mit allem, was – wie Strom-, Wasser- und medizinische Versorgung – dazu gehört, vorgefunden hätten.

Zwischen 1960 und 1971 in dem Tunnel einer Bahnstrecke, die während des Ersten Weltkrieges zwar gebaut, aber dann doch nie von Lokomotiven und Waggons befahren wurde, eingebaut, wurde im Bunker immer bloß geübt.

Hier ist Schluss: Hinter diesem monumentalen Tor beginnt jener Teil, der in einen nie genutzten Eisenbahntunnel eingebauten Untertagestrecke, die zwischen 2001 und 2006 völlig leer geräumt wurde. Foto: Christoph HahnRequisiten

Der Ernstfall kam glücklicherweise nie, auch wenn insgesamt 180 zur Verschwiegenheit ermahnte Menschen rund um die Uhr dafür rackerten, dass die Anlage gut in Schuss blieb.

Was der Besucher heute noch im Tunnel vorfindet, verströmt einen leicht bis stärker ausgeprägten Charme. Das Feldbett, in dem im Falle eines Falles der Bundespräsident geschlafen hätte, steht nach wie vor da.

Der Behandlungsstuhl des Zahnarztes, Pedalantrieb für den Bohrer inklusive, die Entseuchungsstation für nuklear Verstrahlte, der Elektrowagen mit Anhängern, mit dem Menschen durch die Stollen gefahren wurden, die Leitstellen mit ihren Bedienungsknöpfen und Bildschirmen, Schlafsäle, Kantinen und etliche andere Ausstattungsdetails mehr – alles ist noch da und wirkt so, als könnte es spätestens übermorgen wieder in Betrieb genommen werden.

So wird denn der Gang über den 200-Meter-Parcours zu einer spannenden Zeitreise – zu einem Ausflug in eine Epoche, in der der Kalte Krieg noch eine heiße Sache war.

Noch bis 13. November offen, dann wieder im März

Für Einzelbesucher sind Besichtigungen des Regierungsbunkers noch bis zum 13. November 2011 und ab dem 21. März 2012 im Rahmen einer 90-minütigen Führung mittwochs, samstags und sonntags zwischen 10 und 18 Uhr möglich. Die Führungen finden nicht zu festen Zeiten, sondern je nach Besucheraufkommen statt. „Eine Wartezeit von 30 bis 60 Minuten", empfehlen die Betreiber der Dokumenationsstätte, „sollte deshalb eingeplant werden."

Gruppenführungen finden das ganze Jahr hindurch (außer an Montagen) statt. Sie können über die Ahrtal-Touristik, Tel: 02641-917165, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. , gebucht werden.

Der Eintritt kostet für Erwachsene acht, für Ermäßigungsberechtigte entweder sieben (Rentner und Schwerbeschädigte), fünf (Schüker und Studenten) oder 3,50 Euro (Kinder und Jugendlichen von 12 bis 16 Jahren). Gruppen bis zu 15 Personen zahlen pauschal 105 Euro. Bei einer größeren Anzahl werden sieben Euro pro Person berechnet.

Kleiner Tipp: Im Bunker herrschen Temperaturen von maximal zwölf Grad Celsius, so dass warme Kleidung nicht fehl am Platze ist. Tiere sind in der Dokumenationsstätte übrigens nicht erlaubt.

Weitere Infos, so zum Beispiel zur Anfahrt und zum Parken finden sich auf der Website www.regbu.de. Telefonisch ist der Regierungsbunker unter der Rufnummer Tel: 02641- 9117053 erreichbar.