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Ich bin gegen depressive Einstellungen

Heute engagiert sie sich vor allem für trauernde Menschen: Die Dürener Ursulinen-Schwester Genoveva Klein. Foto: HahnSchwester Genoveva Klein feiert am Samstag ihr 50-jähriges Ordensjubiläum. Mitmenschen schätzen ihre seelsorgerische Begabung.

Düren. Zur prägenden Gestalt erhoben zu werden: Das wäre Schwester Genoveva Klein wohl etwas peinlich. Trotzdem ist es so: Zahlreiche Menschen, darunter längst nicht nur kirchenkonforme Katholiken, schätzen die seelsorgerische Begabung der Ordensfrau – vor allem, wenn es darum geht, Männer oder Frauen nach dem Tod eines lieben Angehörigen wieder aufzurichten.

Denn obgleich sie und ihre Mitschwestern das Gebäude der St.-Angela-Schule an der Bismarckstraße in Düren längst verlassen haben, weil ihre Gemeinschaft immer kleiner wurde, und heute in der Kreisstadt in normalen Mietwohnungen oder einem Altersheim wohnen: Schwester Genoveva, die in einem Haus an der Weierstraße mit ihrer Mitschwester Irmgardis (die ihre leibliche Schwester ist) zusammenlebt, resigniert nicht, sondern erklärt: „Ich bin gegen depressive Einstellungen."

Genoveva Klein bringt ihre pastoralen Talente nicht zuletzt in die Arbeit der Lebens- und Trauerhilfe, die in der früheren Landwirtschaftsschule an den Langenberger Straße untergebracht worden ist, ein und begleitet eine Gruppe, deren Mitglieder sich in der Marienkirche treffen. Nun steht ein wichtiger Tag vor der Tür: Am Samstag, 3. Dezember, feiert die engagierte Frau und Christin mit einer Messe in der Marienkirche (am Leopold-Hoesch-Museum) um 10.30 Uhr und einem nachfolgenden Beisammensein ihre 50-jähriges Ordensjubiläum.

Lehren und Visionen

Freilich sind es nicht die Trauer und auch nicht die Arbeit mit denen, die an ihr leiden, die die große Konstante in der Biografie der im Eifeldorf Rollesbroich bei Simmerath geborenen Jüngsten der acht noch verbliebenen Dürener Ursulinen bildet. Genoveva Klein bekundet im Gespräch eine „intensive Beziehung zur Gründerin" ihres Ordens, der heiligen Angela Merici (1470-1540). Ihre Gedanken, Lehren und Visionen geben ihr noch immer viele Anstöße zur Orientierung im Alltag und bei ihrer Arbeit. Denn die Heilige habe sich zu vielen Themen geäußert, die – so Schwester Genoveva – heute noch immer ungebrochen aktuell seien: zur Gewalt gegen Kinder etwa. Darum nimmt die Dürenerin immer gerne an den „Convegno" genanten internationale Zusammenkünften von Ursulinen in der Stadt Brescia, in der Angela Merici lebte und starb, teil. Die Vorträge, die dort gehalten werden, übersetzt sie dann daheim aus dem Italienischen oder Englischen ins Deutsche, damit Gleichgesinnte davon Kenntnis nehmen und profitieren können.

Diese Seite von Schwester Genoveva Klein hat es übrigens nicht immer – zumindest im heutigen Maße – gegeben. Denn ursprünglich einmal hat sie Hauswirtschafterin gelernt und die Küche im einstigen Internat der Dürener Ursulinen geleitet. Doch dieses Internat und die Gruppe der Schwestern, die es trugen, wurden immer kleiner und so gab es nach und nach mehr Freiraum, sich in der Seelsorge zu engagieren – erst bei der Firm- und Kommunionvorbereitung in der Pfarre St. Josef, später dann in der zentraler gelegenen Marienkirche. Schwierige Zeiten hat Schwester Genoveva viele erlebt – zum Beispiel die, als sie anno 2000 vor der Übergabe der Schule an den heutigen Träger, eine GmbH, zu dem neben den Ursulinen das Bistum Aachen und ein Trägerverein gehören, alle Abstell- und sonstigen Kammern des Klosters aufräumen musste, und das besenrein. Die „schmerzhafte Lösung von der Kapelle", in der sie bis zuletzt die Sakristei betreut hat: Daran erinnert sich die Jubilarin noch immer ganz deutlich. Doch „depressive Einstellungen" sind ihre Sache bekanntermaßen nicht. Und so engagiert sich Schwester Genoveva weiter – ganz im Sinne der heiligen Angela.