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Ein Kompass für Dürens Sozialpolitik

Stellten die Ergebnisse der „Sozialraumanalyse für die Stadt Düren" vor: Ina Ruick mit Manfred Savelsberg (r.) und Thomas Floßdorf. Foto: Stadt DürenDas Jugendamt der Stadt stellt neue Sozialraumanalyse vor

Düren. Auf 184 Seiten gefüllt mit Daten und Tabellen, Theorie und Praxis durchquert die neue „Sozialraumanalyse für die Stadt Düren" sämtliche Stadtteile. Sie gibt aufschlussreiche Informationen zur demografischen Entwicklung, zu Haushaltsstrukturen, zu besonderen Problemgruppen sowie zu sozialen Einrichtungen und Vereinen.

„Die Studie ist ein Nachschlagewerk, dient aber auch als Arbeits- und Diskussionsgrundlage für unterschiedliche Bereiche der Kommunalpolitik sowie der Kinder- und Jugendhilfe", sagt Jugendhilfeplanerin Ina Ruick vom Jugendamt der Stadt Düren. Zusammen mit ihrer Kollegin Birgit Franz hat sie monatelang diese kleinräumigen Daten gesammelt, ausgewertet und die Ergebnisse zusammengestellt. Dabei förderten sie .Überraschendes zutage: Ost-und Norddüren sind die Stadtteile mit dem höchsten Anteil an Kindern und Jugendlichen, während Niederau, Birgel und Gürzenich mit einem Seniorenanteil (60 Jahre und älter) von über 30 Prozent die Überalterung droht. Das ist ein Ergebnis, das auch Thomas Floßdorf, den Vorsitzenden des städtischen Jugendhilfeausschusses, beschäftigt. „Wir müssen uns fragen, warum Bürger trotz hervorragender Infrastruktur beispielsweise aus Gürzenich wegziehen, während Düren-Ost offenbar zum Renner für junge Familien geworden ist?" Für Floßdorf ist die Sozialraumanalyse mehr als eine interessante Lektüre. „Sie Ist ein Kompass der Sozialpolitik und eine Handlungsaufgabe für die nächsten Jahre" erklärte er und will die aufgezeigten Kernprobleme noch gezielter angehen. Um wieder eine Angleichung der Altersstruktur in den Stadtteilen herzustellen, schlägt er vor, müssten die Rahmenbedingungen verändert und beispielsweise eine bessere Anbindung mit öffentlichem Personennahverkehr geschaffen werden. Einen Arbeitsschwerpunkt sieht Floßdorf auch bei den Alleinerziehenden. Deren Zahl ist laut Sozialraumanalyse um weitere zwei auf 26,9 Prozent gestiegen. Ein trauriger Rekord, liegt doch der Bundesdurchschnitt bei 18,3 Prozent.

„Solche Eckdaten müssen natürlich in der Stadtentwicklungspolitik der Stadt ihren Niederschlag finden", betonte auch Bürgermeister Paul Larue und verweist auf die wachsende Kinderarmut, die mit dem Anstieg der Alleinerziehenden in direktem Zusammenhang steht. Bereits heute erhalten mehr als ein Viertel aller unter 18-Jährigen (27,3 Prozent) in der Stadt Düren Sozialleistungen und die Zahl wird weiter steigen. Dem will die Stadt mit einem neuen Projekt des LVR-Förderprogramms „Teilhabe ermöglichen - kommunale Netzwerke gegen Kinderarmut" entgegenwirken. „Unser Ziel ist es, die Teilhabe betroffener Kinder an Kultur und sozialen Aktivitäten zu sichern und Bildung zu ermöglichen", unterstrich Ina Ruick. Um das zu realisieren bedürfe es einer Bündelung von Maßnahmen, verdeutlichte Paul Larue, und hofft auf die Unterstützung zahlreicher Institutionen: „Hierbei sind alle gesellschaftlichen und kommunalen Akteure gefragt." Ein künftiger Handlungsbereich wird auch das Thema Jugendstraffälligkeit sein. Die Studie belegt, dass die Fälle nicht nur in den Problembereichen Düren-Mitte und Düren-Ost ansteigen, sondern auch in ländlichen Gebieten wie etwa Derichsweiler. „Trotz knapper Ressourcen muss mehr Prävention geleistet werden", forderte Floßdorf. Die Sozialraumanalyse deckt die aktuellen Probleme auf und ist eine ausgezeichnete Grundlage für die Zukunftsgestaltung. „Unser Ziel ist die Verbesserung der Lebenssituation für alle Menschen in der Stadt Düren", so Ruick.