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Back Rund um Düren Düren Medizin und Gesundheit Auch „ein bisschen Zucker" muss behandelt werden

Auch „ein bisschen Zucker" muss behandelt werden

Um einen Diabetes rechtzeitig feststellen zu können, empfehlen die Experten um Chefarzt Dr. Wolfgang Barényi (4.v.l.) im Medizin–Forum im Krankenhaus Düren den routinemäßigen „Gesundheits-Check-up" in Anspruch zu nehmen. Foto: nikoAOK-Patientenseminar zum Thema Diabetes

Was sollte ein Betroffener bei der Diagnose Diabetes selbst machen und was können die Ärzte tun, war Thema beim AOK-Patientenseminar „Diabetes" am Mittwochabend im Foyer des Krankenhauses Düren. Neben akuten Entgleisungen des gestörten Zuckerstoffwechsels zählen Langzeitschäden an den kleinen und großen Blutgefäßen zu den gefürchteten Folgeerkrankungen, die sich nur durch eine dauerhaft gute Blutzuckereinstellung vermeiden lassen.

Eine Volkskrankheit

Die Volkskrankheit Diabetes ist auf dem Vormarsch, allein unter dem so genannten Typ-2-Diabetes, auch Altersdiabetes genannt, leiden zurzeit über sieben Millionen Deutsche. Tendenz steigend und beginnt immer früher. Mit jährlichen Behandlungskosten von über 25 Milliarden Euro. „Dramatisch ist auch die große Dunkelziffer von über 2 Millionen Menschen, bei denen die Stoffwechselstörung noch nicht erkannt wurde", führt Chefarzt der Inneren Medizin II und stellvertretender ärztlicher Direktor Wolfgang Barényi die Zuhörer im gut besuchten Medizin Forum im Krankenhaus Düren in das Thema ein. Jenseits des 70sten Lebensjahres ist bereits jeder vierte an Diabetes erkrankt. Bleiben die erhöhten Blutzuckerwerte langfristig unbehandelt, sind krankhafte Veränderungen der Blutgefäße die gefährliche Folge. Vor allem Gehirn, Augen, Herzgefäße, Nieren, Bein- und Fußgefäße können davon betroffen sein. „Jeder zweite Dialysepatient und jeder zweite Herzpatient bei uns im Krankenhaus ist Zuckerkrank. Heute wollen wir sie gerne zu einem Experten in eigener Sache machen", so Wolfgang Barényi.

Diabetes heißt übersetzt: Honigsüßer Durchfluss. Aber der Zucker ist lediglich nur die Spitze eines Eisbergs, den man am Ende einer langen Entwicklung bei Problemen mit dem Stoffwechsel sieht. Klassische Anzeichen für Diabetes sind: Harndrang, vor allem in der Nacht, übermäßiges Durstgefühl, auch Gewichtsverlust ist möglich, Müdigkeit und Leistungsschwäche. Diese Zeichen treten vor allem verstärkt beim Diabetes Typ I auf, der mit dem Lebensstil eines Menschen nichts zu tun hat. „Beim Typ II kommen diese Warnzeichen deutlich später und deutlich milder. Deswegen werden Sie häufig übersehen und nicht ernst genommen", so Diabetesberater und Podologe Oliver Belka in seinem Vortrag. Er macht immer wieder die Erfahrung, dass nicht nur neu erkrankte Diabetiker ihre Situation unterschätzen. Die Diabetes verursacht am Anfang keine Beschwerden. „Ein bisschen Zucker, gibt es genauso wenig, wie ein bisschen schwanger. Wenn ihr Auto ein Loch im Tank hat und ein bisschen Benzin verliert. Dann müssen sie sich darum kümmern, andernfalls bleiben Sie mit dem Wagen liegen. Und so sollte man sich auch um ein bisschen erhöhte Blutzuckerwerte kümmern", appelliert Oliver Belka regelmäßig zu den Vor-Untersuchungen zu gehen, insbesondere wenn man auch Risikofaktoren hat. Mit dem Zitat von May Otto Brucker „Unsere Nahrung unser Schicksal" weist Internistin, Diabetologin und Ernährungsmedizinerin Dr. Karen Gellner in ihrem Vortrag auf die große Bedeutung einer richtigen Esskultur auf die Gesundheit hin. Übergewicht ist eine Ursache, die zur Diabetes Typ II führen kann. Es kommt aber auf die Verteilung des Gewichtes an. „Dabei ist der Dicke Bauch deutlich ungünstiger als die in Maßen runden Hüften", so Dr. Karen Gellner und empfiehlt: „Ob verschiedene Diäten, die asiatische oder französische Küche, mit Sattmachern, wie Hülsenfrüchte oder die aus Thailand bekannte Chillischote, alle Wege führen bekanntlich nach Rom. Bei der Ernährung ist es wichtig, dass sie ihren individuellen Weg finden."

Mit einer kleinen Wunde am Fuß fangen schlimme Folgen an, die sogar zu Amputationen führen können. Mit drastischen Bildern von negrotischen Füßen beginnt der Vortrag des Gefäßchirurgen Dr. Holm Reintges. Vom Einsatz von Ballons und Stints zur Weitung von Blutgefäßen bis zur Anwendung von Bypässen beschreibt er seine tägliche Arbeit.

Zu einer erfolgreichen Diabetesbehandlung gehört von Anfang an, eine sinnvolle Ernährung und ein intensives ausgewogenes Ausdauer- und Krafttraining. „Es geht mir um kleine Veränderungen, mit denen man schon viel erreichen kann. Jeden Tag ein ganz normaler Spaziergang, vielleicht eine halbe Stunde lang, genügt, um Stoffwechsel und Durchblutung anzuregen", erklärt Sportwissenschaftlerin des Gesundheitszentrums am Krankenhaus Christiane Kraft in ihrem Vortrag. Da solche Verhaltensänderungen jedoch häufig sehr schwierig umzusetzen sind, empfiehlt sie Gruppentraining. Jede Diabetes-Erkrankung muss von Anfang an kompetent und immer so früh wie möglich behandelt werden. Dabei darf man den Typ II nicht verniedlichen, " beschreibt Wolfgang Barényi die eigentliche Gefahr des Altersdiabetes. „Vielmehr muss man aktiv auf den Krankheitsverlauf Einfluss nehmen. Nur auf diese Weise, können die Folgeerkrankungen wie Herzinfarkte, Schlaganfälle, Nieren- oder Augenschädigungen sowie frühzeitige Todesfälle verhindert werden," fasst Wolfgang Barényi den Abend zusammen. Am Ende des Forums blieb nach den Vorträgen Zeit für individuelle Fragen und Erfahrungsaustausch mit den Experten.

Weitere Informationsabende zum Thema Diabetes gibt es jeden 2. Mittwoch im Monat ab 19:00 Uhr im Diabetiker-Treff im Kongresszentrum des Krankenhauses Düren, Roonstraße 30.

Die Themen:

12.10.2011 - Wirkweisen von Medikamenten - Wann und warum machen Kombinationen Sinn

09.11.2011 - Diabetes und Stress - und dessen Bewältigung Referentin: Doris Diel-Esser, Ärztin für Psychiatrie und Psychotherapie

Weitere Informationen gibt es auf der Seite des Diabetiker Bundes Bezirksverband Düren.