Stiftisches Gymnasium und Wirteltor-Gymnasium vereinbaren mit der „Jinhua Foreign Language School" einen Schüleraustausch. Fünf Direktoren aus Dürens Partnerstadt sind erstmals zu Gast an der Rur.
Düren. Viele Fragen gingen dem Schulleiter des Stiftischen Gymnasiums in Düren durch den Kopf, während er die Eingangstür für die weitgereiste Delegation aufhielt. Zum ersten Mal – nach einer zwei jährigen Vorbereitung – kamen gestern fünf Direktoren von weiterführenden Schulen der chinesischen Partnerstadt Dürens Jinhua ins Gymnasium am Altenteich zu Besuch.
In ihrem Gepäck hatten sie einen Vertrag über den zukünftigen deutsch-chinesischen Schulaustausch zwischen der „Jinhua Foreign Language School" auf der einen Seite und den beiden Dürener Gymnasien Wirteltor und Stiftisches auf der anderen Seite.
„Zwar ist China in unserer Schule ein Schwerpunktland im Unterricht und wird beispielhaft auch in vielen verschieden Kursen behandelt. Aber wir wissen jetzt noch überhaupt nicht, wie ein solches Schulaustauschprogramm überhaupt praktisch aussehen kann", bemerkte Jürgen Pfaff, der Schulleiter des Stiftisches Gymnasiums. Es gibt Informationen darüber, dass in Jinhua in Bildung und in das Gesundheitswesen verstärkt investiert wird. Die chinesische Lebenswelt sei eine gänzlich andere als die Europäische. „Wir müssen unsere Schüler auf diesen Kulturkreis vorbereiten, das Verständigungsproblem lösen und neugierig werden für andere Wertevorstellungen, eine andere Familientradition und die sprichwörtliche chinesische Disziplin", gab Pfaff die Richtung vor.
„Zudem muss ein mögliches Ausstauschprogramm, eine sinnvolle Ergänzung zum Schulprogramm sein. Das erste Treffen zwischen den Direktoren, diene dem gegenseitigen Kennenlernen und dem Austausch von Ideen, wie so ein Partnerschaftsprogramm in der Praxis gelebt werden kann," erklärte Pfaff. Und die Koordinatorin für den Fremdsprachenunterricht Ulrike Flach vom Wirteltor-Gymnasium ergänzte: „Wir sind eine Europaschule und da schon gut vernetzt. Über China wissen wir noch wenig – und es ist sehr weit weg. Bei dieser Partnerschaft haben wir die Chance, wirklich unseren eigenen Horizont zu erweitern." Zurzeit wird an den beiden Dürener Gymnasien noch nicht Chinesisch unterrichtet. „Es könnten demnächst zumindest Arbeitsgemeinschaften eingerichtet werden, wenn sich die nötigen Lehrkräfte oder Dozenten fänden", so Ulrike Flach.
Doch bevor es zur Unterzeichnung kam, stellte Englischlehrer Dr. Achim Jaeger mit der erhaltenen Stadtmauer, den geschichtlichen Schatz des Stiftischen Gymnasiums den Gästen aus Fernost vor.
Die Pädagogen aus dem fernen Osten staunten nicht nur über das, was sie dort zu sehen bekamen. Gymnasien, wie es sie in Deutschland gebe, kenne man in China noch nicht, berichtete die stellvertretende Schuldirektorin der „Jinhua Foreign Language School", Zheng Yueqin. „In China gibt es eine Middleschool und eine Highschool. Aber Jinhua ist eine offene Stadt – und wir wollen von anderen Ländern lernen", stellte Zheng Yueqin fest.
Erstaunt über Unterrichtsformen
Sehr erstaunt zeigte sich die stellvertretende Schulleiterin über die freien Unterrichtsformen in Deutschland. Offene Diskussionsrunden und Gruppenarbeit machten sie neugierig auf das deutsche Schulsystem. Zheng Yueqin verwies darauf, dass ihre Schule die einzige in der Partnerstadt ist, die bereits in drei Klassen Deutsch unterrichtet.
Als Gastgeschenk überbrachte die chinesisische Delegation eine Einladung an Dürener Lehrer: Sie sollte doch einmal in Jinhua in das Schulsystem vor Ort hineinschnuppern, bevor die ersten Schulklassen folgen. Für Jürgen Pfaff ist dieser erste Vertrag zwar Neuland aber: „Wir sind fest entschlossen, den Schritt nach China zu wagen. Wir alle sind sehr gespannt, was uns dabei erwartet."
Helmut Göddertz, Vorsitzender des Partnerschaftsvereins, sagte, der Schüleraustausch werde jetzt konkret in Angriff genommen. Der Verein werde alles dafür tun, dass es zu persönlichen Kontakten zwischen Jugendlichen in Düren und Jinhua komme. Unter anderem werde man sich um Sponsoren bemühen, damit Austauschmaßnahmen für die jeweiligen Eltern erschwinglich seien.
Am Rande der Feier verlautete, für eine Reise in die jeweilige Partnerschaft kämen insbesondere Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 14 und 16 Jahren in Betracht.



