Kreis Düren. "car2gether" lautet der Namen eines zukunftsweisenden Pilotprojekts, das seit Oktober 2010 in der Städteregion Aachen erprobt und nun auf den Kreis Düren ausgedehnt wird. Wörtlich übersetzt es "Autozusammen": Statt wie so häufig allein zu fahren, sollen sich Menschen von Fall zu Fall zusammentun, um ein Auto zu nutzen. Zusammenfinden sie per Internet.
Das Portal www.car2gether.com ist ein virtueller Marktplatz. Autofahrer bieten ihre freien Sitzplätze an, Autolose stellen ihren konkreten Beförderungswunsch ein. Kommt eine Fahrgemeinschaft zustande, entlastet das beider Geldbeutel und schont die Umwelt. Im Grunde ist car2gether die klassische Mitfahrzentrale. Die man allerdings als App auf seinem Smartphone in der Jackentasche trägt, so dass man jederzeit agieren oder reagieren kann. Und das macht das neue Angebot, das die Stuttgarter Daimler AG und die Scientific Computers GmbH aus Aachen entwickelt haben, so vielversprechend. Es muss nur kräftig genutzt werden.
Seit Einführung Ende letzten Jahres haben sich in der Städteregion knapp 2000 Menschen persönlich als Nutzer in dem Internetportal registrieren lassen. Ein gelungener Einstieg, wie Ralf Ander von Scientific Computers im Pressegespräch betonte. Über Empfehlungen in sozialen Netzwerken wie Facebook soll das Angebot nun weitere Kreise ziehen. Einzelfahrten werden ebenso angeboten und nachgefragt wie Serienfahrten, etwa von Berufspendlern. Der Aktionsradius reicht bis Köln und Düsseldorf. Die Nutzung des Portals ist in der Pilotphase gebührenfrei, das Beförderungsentgelt können beide Partner frei vereinbaren. "Wir schlagen neun Cent pro Minute Fahrzeit vor", so Ander. Später soll die Bezahlung bargeldlos möglich sein. Findet sich kein freier Beifahrersitz, erhält man alternativ Vorschläge für Bus und Bahn. Auch zur Taxizentrale kann man sich verbinden lassen. So bündelt car2gether die verschiedensten Verkehrsmittel in einer mobilen App. Zu Fuß gehen muss niemand.
"Die jüngere Generation will nutzen statt zu besitzen", berichtete Ralf Ander von einem Wertewandel. Ein eigenes Auto ist für sie nicht Pflicht. Da die Menschen in den 20ern mit dem Internet groß geworden sind, hatte man vor allem sie als mögliche Nutzer im Auge. Doch nach der aktuellen Auswertung erwiesen sich auch die bis 49-Jährigen als sehr rege.
Nun wird das Pilotprojekt auf den Kreis Düren ausgeweitet. Landrat Wolfgang Spelthahn sieht in der Kombination von Automobil und Mobiltelefon großes Potenzial, vor allem für den ländlichen Raum. "Mit intelligenten Systemen wie diesem können wir viele unserer Mobilitätsprobleme lösen", hofft er auf eine große Resonanz. Auch für Auspendler sieht er neue Chancen. Vergleichbar der Städteregion werden auch die Dürener Kreisbahn und die Rurtalbahn in das Projekt einbezogen und dafür werben. Zudem werden die Bürgermeister umfassend informiert und um Unterstützung gebeten.
In der Städteregion hat car2gether viele prominente Befürworter gefunden, berichtete Städteregionsrat Helmut Etschenberg vor der Presse. Die Hochschulen, die Kammern, das Klinikum - alle halten den neuen Ansatz für wegweisend. "Wir wollen es sogar auf Holland und Belgien ausdehen und so zu einem kleinen Labor für Europa werden", lautet seine Vision grenzenloser Mobilität.



