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Verbandstätigkeiten des Wasserverbandes Eifel-Rur 2011

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Bei seiner diesjährigen Verbandsversammlung legten der Verbandsratsvorsitzende Paul Larue, Bürgermeister der Stadt Düren, und der Verbandsvorstand Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Firk den Verbandsdelegierten ihre Berichte über die Aktivitäten des abgelaufenen Jahres vor. Zugleich entlastete die Versammlung den Vorstand auf Empfehlung der Rechnungsprüfer und genehmigte einstimmig den wirtschaftsplan für das Jahr 2012

Der Wasserverband Eifel-Rur ist ein Flächenverband, der für seine kommunalen, gewerblichen und industriellen Mitglieder wichtige Aufgaben der Wasserwirtschaft wie Abwasserreinigung, Hochwasserschutz, Fließgewässerunterhalt sowie den Betrieb von Talsperren verrichtet. Dazu verfügt er über 44 Kläranlagen und betreibt 727 damit in funktionalem Zusammenhang stehende Sonderbauwerke. Außerdem betreut er 1.900 Kilomter Fließgewässer und unterhält sechs Talsperren in der Nordeifel. Zur Sicherung des lokalen Hochwasserschutzes verfügt er über 50 Hochwasserrückhaltebecken.

Wassermengenwirtschaft

Das Wasserwirtschaftsjahr von Anfang November 2010 bis Ende Oktober 2011 zeigte sich in seinem Niederschlags-verhalten teilweise deutlich abweichend von den langjährigen Mittelwerten. So gelangten durch Regenfälle und die Schnee-schmelze von November 2010 bis Januar 2011 überdurchschnittliche Wassermengen in die Talsperren. Besonders im Januar floss mehr als doppelt soviel Wasser zu als im langjährigen Mittel.

Die Monate Februar bis Mai fielen besonders niederschlagsarm aus, was sich auch in deutlich geringeren Zuflüssen in die Stauseen bemerkbar machte. Selbst im relativ feuchten Sommer stiegen die Zuflüsse kaum, da dann der Niederschlag von der Vegetation verdunstet wird und nicht in die Seen gelangt.

Nach dem Sommer waren wiederum überdurchschnittlich trockene Monate September und Oktober zu verzeichnen. Aber auch der November 2011 und damit der Beginn des wasserwirtschaftlichen Folgejahres zeichnete sich durch übergroße Trockenheit aus.

Dies führte zu einem deutlichen Zuflussdefizit in die Stauanlagen, die jedoch trotzdem zu jedem Zeitpunkt ihre wasserwirtschaftlichen Aufgaben in Bezug auf Mindestabgaben an den Unterlauf bzw. die Trinkwasserversorgung erfüllen konnten.

Trotz des optisch geringen Füllstandes der Stauanlagen kann aber auch im kommenden Jahr die wasserwirtschaftliche Aufgabenerfüllung gewährleistet werden, selbst wenn ein erneutes Jahr mit geringen Zuflüssen erfolgen sollte. Das Talsperrensystem ist darauf ausgelegt, ein Doppeltrockenjahr zu überstehen.

Maßnahmen an Talsperren

Die Sicherung der Standfestigkeit der Talsperren erfordert eine ständige Pflege der Anlagen. Dazu gehören unter an-derem auch Unterhaltungsmaßnahmen wie die im Berichtsjahr erfolgte Entkrautungsaktion im Eiserbachsee der Rurtalsperre Schwammenauel. An der Oleftalsperre wurde zudem der Ablaufpegel erneuert. Im Obersee der Rurtalsperre wurde bei Rurberg eine neue Steganlage eingebracht.

Die Talsperren dienen auch der Energiegewinnung, indem das Wasser nicht einfach durch die Grundablässe abgelassen, sondern dabei über Turbinen geführt wird. Lediglich an der Wehebachtalsperre fehlte diese Möglichkeit noch. Die Abgabe von bis zu maximal 200 Litern in der Sekunde machte eine wirtschaftliche Energiegewinnung in der Vergangenheit dort nicht möglich. Dank verbesserter Technik konnte dort nun eine Miniturbine eingesetzt werden, die umgerechnet Strom für bis zu 100 Haushalte liefern kann.

Das Thema Energie wurde auch durch die Absicht des Unternehmens Trianel zum Bau eines Pumpspeicherkraft-werks in den Focus der Öffentlichkeit gerückt. Dazu soll auf dem Gebiet der Gemeinde Simmerath ein Gegensee angelegt werden, der dann im Verbund mit dem Hauptsee der Rurtalsperre als Pumpeicher dienen könnte.

Der WVER als Besitzer des Rursees muss dabei die Stand-sicherheit und die ungestörte Erfüllung der bisherigen wasser-wirtschaftlichen Aufgaben und Nutzungen der Stauanlage sicherstellen. Daraus ergeben sich Fragen nach der Standsicherheit von Böschungen und Bauwerken, den limnologischen Auswirkungen, dem allgemeinen Betrieb und der Be-einträchtigung des Tourismus durch die beabsichtigte Pumptätigkeit, die nicht unerhebliche Wasserstandsschwankungen im Tagesverlauf mit sich bringen würde. Hierzu muss Trianel entsprechende Gutachten beibringen.

Hochwasserschutz im Rahmen der europäischen Richtlinie

Der WVER befasste sich auch im Berichtsjahr in Zusam-menarbeit mit der Bezirksregierung Köln an der Umsetzung der europäischen Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie. Diese sieht unter anderem bis 2013 die Erstellung von Hochwassergefahrenkarten vor. Bis 2015 sollen daraus ent-sprechende Hochwasserrisikomanagementpläne entwickelt werden. Im Verbandsgebiet des WVER sind dazu 33 Gewäs-ser zu betrachten. Bisher erfolgten die Vermessung der Ge-wässer sowie die Aufstellung von Niederschlag-Abfluss-Modellierungen. Die nächsten Schritte werden die hydraulische Modellierung und die Ermittlung der Überschwemmungsflächen sein.

Bau von Hochwasserrückhaltebecken

Der WVER verbessert auch konkret den Hochwasserschutz in seinem Verbandsgebiet. So geht es auch beim Hochwasserschutz am Omerbach in Nothberg voran. Nachdem bereits vor drei Jahren des Hochwasserrückhaltebecken Omerbach in Betrieb gehen konnte, wurde im Berichtsjahr der Bau entsprechender Becken in Gressenich und am Diepen-linchenbach begonnen, wodurch ein 100jährlicher Schutz am Omerbach gesichert wird.

Ebenso wurden Planungen zum Bau eines Hochwasserrückhaltebeckens am Wiesenbach auf dem Gebiet von Kreuzau aufgestellt. Mit dem Bau des Beckens wird im neuen Jahr begonnen werden.

EU-Wasserrahmenrichtlinie

Die EU-Wasserrahmenrichtlinie sieht vor, das – unter Einbeziehung möglicher Verlängerungszeiträume – bis zum Jahre 2027 ein „guter Zustand" der Gewässer erreicht werden soll. Dabei liegt das Hauptaugenmerk dank eines funktio-nierenden Gewässerschutzes und des Betriebs von leistungs-starken Kläranlagen weniger auf der biologischen und chemischen Güte der Gewässer, sondern vielmehr auf der Gewässerstruktur, die vor allen Dingen durch Begradigungsmaßnahmen in der Vergangenheit in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Im Berichtsjahr wurde mit der Erstellung der Umsetzungs-fahrpläne für notwendige Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerstruktur begonnen. Dazu wurden in regionalen Kooperationen insgesamt 13 Planungsbereiche im Einzugsgebiet der Rur festgelegt, in denen insgesamt 26 Workshops durchgeführt wurden und werden, in denen die anstehenden Maßnahmen diskutiert und festgelegt werden. Dieser Arbeitsschritt wird im April 2012 abgeschlossen sein.

Eine konkrete Maßnahme, die in diesem Zusammenhang im Berichtsjahr geplant wurde, ist die Renaturierung eines Wurm-abschnitts in Übach-Palenberg. Dort soll es zu einer Lauf-streckenverlängerung von 30 % kommen. 50.000 Kubikmeter Retentionsraum im Rahmen des vorausschauenden Hoch-wasserschutzes werden zudem geschaffen. Die Kosten von 1,6 Millionen Euro werden mit 80 % durch das Land NRW bezuschusst.

Energiegewinnung auf Kläranlagen

Mit der Errichtung von drei Faultürmen und einem Block-heizkraftwerk, die im Jahre 2010 offiziell in Betrieb genommen wurden, kann der WVER den Energie- und Wärmebedarf der Kläranlage Düren zum großen Teil selbst decken und sich damit vom Zukauf externer Energie unabhängig machen. Die Faultürme bieten jedoch noch weitere Kapazitäten über die Vergärung der anfallenden Klärschlämme hinaus. Deswegen wurden im Berichtsjahr Laborversuche zur so genannten Co-Vergärung unternommen, die im Jahr 2011 in einem der Faultürme fortgesetzt werden. Durch die Hinzugabe von geeigneten Substraten, nämlich Produktionsabfällen aus der Nah-rungsmittelindustrie wie z. B. Schälabfällen von Gemüse soll der Gasanfall und damit die Energieausbeute erhöht werden. Dazu ist im Versuch zu testen, ob der Faulungsprozess stabil bleibt, wie hoch die zusätzliche Gasausbeute ist, welche Qualität das Gas hat und wie weit die hinzu gegebenen Substrate im Faulturm abgebaut werden.

Messprogramm am Regenrückhaltebecken Kleebach in Aachen

Die Anwohner des Regenrückhaltebeckens Kleebach klagten in der Vergangenheit über Geruchsbelästigungen, die durch das Becken bei Einstau verursacht worden sein sollen. Der WVER übernahm das Becken im Berichtsjahr von der STAWAG Aachen und setzte ein Messprogramm in Gang, um die Art und die Quelle des Geruchs genau bestimmen zu können. Außerdem wird das Becken nach einem Einstau jeweils gründlich gereinigt.

Im Berichtsjahr konnten bisher keine Beschwerde über unangenehme Gerüche verzeichnet werden.

Abwassermenge im Berichtsjahr

Der Wasserverband Eifel-Rur reinigte in allen seinen Anlagen im Jahr 2010 129,76 Mio. Kubikmeter Abwasser. In den letz-ten Jahren hat sich eine Menge von ca. 130 Mio. Kubikmeter als Durchschnitt stabilisiert. Lediglich die Jahre 2007 und 2008 fielen als nassere Jahre mit über 140 Mio. Kubikmeter gereinigten Abwassers aus dem Rahmen.

Kosten der Abwasserreinigung

Die Reinigungskosten für einen Kubikmeter Abwasser lagen im Verbandsschnitt im Jahr 2010 bei 0,73 Euro und damit einen Cent über dem Vorjahreswert. Dabei entfielen 45 % auf Investitionen und 55 % auf Löhne, Energie, Instandhaltungen, Kauf von Betriebsmitteln únd Entsorgungskosten.

Zukünftige Investitionen auf Kläranlagen

Die Kläranlage Aachen-Soers erfuhr ihre letzte Erweiterung im Jahr 1992. Auch andere Kläranlagen des WVER wurden in den 90er Jahren baulich verändert. Damals kam die Nähr-stoffelimination als geforderte Reinigungsleistung hinzu, da sich Probleme mit einer Eutrophierung der Gewässer bis in die Nordsee zeigten.

Nach fast 20jährigem Betrieb der Erweiterungen sind auf diesen Kläranlagen in Zukunft Reinvestitionen in der Maschi-nentechnik, der Elektrotechnik und der Prozessleittechnik er-forderlich, die ab dem nächsten Jahr angegangen werden.

Mikroverunreinigungen im Abwasser

Das Wasser ist einer Reihe von Mikroverunreinigungen ausgesetzt, die aus Industrie- und Haushaltschemikalien, Waschmittelinhaltsstoffen, Körperpflegemitteln, Arzneimitteln, Röntgenkontrastmitteln, Hormonen Veterinärpharmaka, Futterzusatzstoffen, Korrosionsschutzmitteln, Bioziden, Herbiziden, Insektiziden und Fungiziden stammen. Neben punktförmigen, lokalisierbaren Eintragsquellen wie Kläranlagen, die Pharma-ka, Hormone und Biozide eintragen, erfolgt die Gewässerverunreinigung auch aus diffusen Quellen wie Straßen, Bahntrassen, undichten Kanälen, Mischwasserüberläufen, der Tierhaltung und der Schifffahrt, aber auch durch die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln.

Das Umweltbundesamt fordert die Einführung einer 4. Rei-nigungsstufe auf Kläranlagen, um die dort anfallenden Mikro-verunreinigungen herauszufiltern. Der dafür zu treibende tech-nische Aufwand würde nach Schätzungen den Preis für einen gereinigten Kubikmeter Abwasser um ca. 10 – 20 Cent erhö-hen. Eine Realisierung der 4. Reinigungsstufe brächte jährliche Mehrkosten für die Abwasserreinigung von ca. 15 – 30 % mit sich.

Wirtschaftsplan 2012

Der Wirtschaftsplan 2012 wird ein Volumen von 204.216.305 Euro umfassen. Dabei entfallen 139.414.645 Euro auf den Erfolgsplan und 64.801.660 Euro auf den Vermögensplan.

Beitragsbedarf

Der durch die Mitglieder des WVER zu erbringende Beitrag wurde entsprechend dem 2004 angefallenen Beitrag (in die-sem Jahr war der Aufbau des Verbandes mit der unter-jährigen Übernahme der Kläranlagen der Stadt Aachen im Vorjahr abgeschlossen) in einer Vereinbarung zwischen Ver-bandsrat und Vorstand auf maximal 132 Mio. Euro begrenzt. Diese Begrenzung wurde seitdem stets zielsicher eingehalten. Im Jahr 2012 wird sie mit 130,3 Mio. Euro sogar noch unter dem Beitragsbedarf des Jahres 2004 liegen.

Schuldenstand und Eigenkapitalquote

Der WVER konnte im Berichtsjahr seinen Schuldenstand weiter von 499 auf 488 Mio. Euro abbauen. Einer Neukreditaufnahme von 22 Mio. Euro stand eine Tilgung von 33 Mio. Euro entgegen. Die Eigenkapitalquote liegt bei ca. 25 %.