Literaturkurs der Heinrich-Böll-Gesamtschule inszeniert das Drama um den Amoklauf von Winnenden als Theaterstück
Düren. Was viele Menschen sprachlos macht, machen sie zum Thema: Schüler des Literaturkurses der Jahrgangsstufe 12 an der Heinrich-Böll-Gesamtschule in Düren haben das Drama um den Amoklauf von Winnenden zu einer Collage aus Film- und Bühnenszenen gemacht. Das Publikum zeigte sich jedenfalls bei der Uraufführung fasziniert und belohnte die Anstrengungen der Mitwirkenden mit Applaus.
Zu einer Hoffnung darf der Titel des Stücks, das die jungen Frauen und Männer mit ihren Lehrerinnen Cornelia Rehling und Yvonne Meyer inszeniert haben, keine Anlass geben: Die Frage nach dem „Warum?“ wird definitiv nicht beantwortet. Stattdessen legen die Akteure ihren Zuschauern im Spiel Spuren aus – indem sie mit Worten und Gesten zeugen, wie Ausgrenzung und Mobbing funktionieren, so sehr, dass einer durchdreht und das Gesetz des Handelns auf radikale Weise in die eigene Hand nimmt. Menschlichkeit zeigt „Warum?“ nicht nur ganz nebenbei: Die Opfer, die auch Täter sind, erhalten eine Geschichte und ihre Individualität.
Die Produktion der Literaturkurs-Mitglieder, der das Buch „Tag X“ von Ron Koertge über den Amoklauf an einer US-Schule zu Grunde liegt, besticht also zum einen, weil sie der Versuchung zu allzu eilfertigen Antworten widersteht. Sie ist spannend, weil sie sich als dichtes Gewebe aus Theater und Video, aus verschiedenen Ebenen des Erzählens präsentiert.
Die eingestreuten Filme, von den Gesamtschülern gedrehte Minifilme, die sich als Nachrichten-Beiträge oder Reportagen ausgeben, sorgen für die Grobstruktur der Erzählung; die Aktion auf der Bühne bauen sie weiter aus oder sorgen für den psychologischen Unterbau, zeigen das Vorspiel, den Aufbau des Kesseltreibens, das schließlich im Amoklauf gipfelt.
Inszenatorisch wirkt „Warum?“ ebenfalls stark, denn die beiden Regisseurinnen mit Lehrerinnen-Diplom finden immer wieder breitflächige, stehende Bilder, die für das Thema fast schon zu schön sind – etwa wenn die Schauspieler, neben und übereinander liegend, wie tot da liegen oder wenn sie, posenhaft wie die Charaktere nun einmal sind, wie Statuen über die Bühne verteilt werden. Zu diesen Qualitäten kommt noch eine: Die Dürener Gesamtschüler treten aus der Masse heraus, geben etwas von sich preis und engagieren sich als Mitwirkende ganz gewaltig – fürwahr ein starkes Stück. Schade, dass es vorerst keine weiteren Aufführungen gibt.
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