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Weihnachtsoratorium in Lendersdorf

Ihr Bach wirkte ganz wie von heute: Dirigent Johannes sowie Bachchor und -orchester der Cappella Villa Duria beeindruckten das Publikum in der Lendersdorfer Kirche St. Michael. Foto: Hahn

Bach blinkt und strahlt wie frisch poliert. Die Cappella Villa Duria meistert das Weihnachtsoratorium in der Kirche St. Michael.

Lendersdorf. Bachs Weihnachtsoratorium aufs Programm zu setzen – das zeugt schon von einem gewissen Mut, denn dieses Meisterwerk des Barock ist auf Schallplatten, bei den Klassikwellen im Radio und bei den Konzertveranstaltern recht präsent. Wer sich diese bedeutende Komposition des großen Leipziger Thomaskantors trotzdem vornimmt, muss sich an hohen Ansprüchen und prominenten Interpreten messen lassen – Harnoncourt hin, Koopman her. Johannes Esser und die Mitglieder von Bachchor und -orchester der Cappella Villa Duria nebst Solisten haben mit ihrer Darbietung in der Lendersdorfer Pfarrkirche St. Michael also Mut zum Risiko bewiesen. Couragiert und engagiert haben sich Dirigent und Mitwirkende ambitionierten Standards gestellt. Ihre Leistung konnte sich durchaus hören lassen und beeindruckte das Publikum in dem proppenvollen Gotteshaus merklich.

Magnetische Zugkraft

Dass in dieser rund anderthalb pausenlose Stunden langen Aufführung keine Minute zu lang wirkte, liegt an der nachgerade magnetischen Zugkraft, die der Dirigenten mit bisweilen forderndem Gestus zu entfalten wusste. Jeder Akkord und jede melodische Sequenz wirkte wie blank poliert. Der Bach der Cappella Villa Duria blinkte und strahlte wie frisch poliert. Museale Musik von gestern oder gar vorgestern war dieses Weihnachtsoratorium ganz gewiss nicht. Mit der vom künstlerischen Leiter, den Ensembles und den vier Gesangssolisten entfalteten Energie wirkte dieser Bach recht heutig, lebendig und dynamisch. Das liegt maßgeblich am Orchesterklang, der ausgesprochen schlank und durchhörbar anmutete. Jedwede pompöse Schwer lag hier fern, und ebenso jegliche Süßlichkeit, die eine solche Darbietung unverdaulich hätte wirken lassen. Statt dessen bestimmten Flüssigkeit und musikalische Breitwand-Effekte die Interpretation von Esser & Co..

Für das Intime, persönliche Berührende sorgten dabei Annika Boos (Sopran), Susanna Frank (Alt), Jörg Nitschke (Tenor) und Wolfgang Tombeux (Bass), die ihre Soli ein ums andere Mal mit dramatischer Leuchtkraft und stimmlicher Beweglichkeit vortrugen. Für Glanzlichter sorgten in Lendersdorf auch Flöte und Trompete. Wer da vor den Zuhörern seine Virtuosität bewiesen hat, verriet das Programm indes leider nicht. Nicht so ganz leicht hatte es die Sängerinnen und Sänger des Chores, denn in der relativ kleinen Dorfkirche wirkten die Turba-Szenen, in denen das Volk sich durch sie Stimme verschafft, doch eine Spur zu laut. Doch das lag nicht an den Ausführenden, sondern war dem Gebäude und den daraus resultierenden Umständen geschuldet. Was Bach durch seine Musik an Rhetorik entfaltet – das setzen die Mitwirkenden auf jeden Fall 1:1 um.

Weiteres Programm der Vill apella  Duria

Die nächsten großen Projekte der Cappella Villa Duria sind das Neujahrskonzert (Sonntag, 15. Januar, 18 Uhr, Haus der Stadt) mit Werken von Schostakowitsch, Schumann und Strauss sowie das Konzert (Sonntag, 29. Januar, 18 Uhr, Schloss Burgau) zum 300. Geburtstag Friedrichs des Großen von Preußen mit Musik aus dessen Zeit, ausgeführt vom „Ensemble Chiarina", das sich aus Mitgliedern des WDR-Sinfonieorchesters zusammensetzt. Karten gibt es ab sofort an der Theaterkasse im Haus der Stadt (Rufnummer: 02421/25-1317) und im Bürgerbüro am Markt (02421/25-2525). Ausfallen muss das Konzert zum Jahreswechsel, da die Kirche St. Joachim in Düren-Nord nach einem Brand noch immer nicht fertig restauriert werden konnte.