Sakrale A-Capella-Kirchenmusik in der Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt
Mariaweiler. Es war, wie eine kleine Reise gen Himmel. Das Chorensemble „Fiat Ars" aus Köln bot seinem Publikum mit seinem vier-, an der dichtesten Stelle sogar acht-stimmigen Gesang, ein Hörerlebnis der Sonderklasse. Der sakrale musikalische Bogen des A-Capella-Ensembles in der Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt in Mariaweiler spannte sich dabei von Kompositionen der Renaissancezeit bis zu zeitgenössischen Werken.
Die zwölf Sängerinnen und sechs Sänger aus der katholischen Hochschulgemeinde Köln unter der künstlerischen Leitung von Jonas Dickopf verbindet seit ihrer Gründung im Jahr 2006 eine große Liebe zur geistlichen Chormusik. Das Vokalensemble ist der Tradition verpflichtet und zugleich der Gegenwart zugewandt. Ihr Anliegen: Thematisch geschlossene und strukturierte Konzerte mit einem roten Faden zu geben. Unter dem Titel „Licht, Jubel, Glanz und Herrlichkeit" hat der Chor „Fiat Ars" auf Einladung des einstigen Chormitgliedes und jetzigen Pfarrgemeinderatsvorsitzenden von Mariaweiler, Gerhard Brücker, Motetten und eindrucksvolle Kompositionen für Mariaweiler ausgewählt.
Dabei sind sogar mit Heinz Martin Lonquich´s „zweiter Hymne" und dem „Quicumque Christum Quaeritis" des Kirchenmusikers Stephan Harrap zwei Kompositionen von zeitgenössischen Komponisten aus dem Raum Köln dabei.
In ihrem Konzert bestach der junge Chor, mit einem Altersschnitt von 30 Jahren, durch seine Improvisationsfreude. Ihr Vortrag ist ehrlich, authentisch und grazil und zeugt von der tiefen Liebe zu Gott. Dies wurde sofort bei der ersten anglikanischen Motette des Konzertes „Let all Mortal Flesh Keep Silence" von Edward C. Bairstow deutlich. Hier sangen achtzehn glasklare Stimmen, jede einzelne für sich allein präsent, aber im Zusammenspiel im Chor war es dem nahe, was man in der christlichen Liturgie gemeinhin als „erhebend" bezeichnet.
Leise und Explosiv
Gerade die Variationen der Stimmen, von ganz leisem „pianissimo" bis zu explosivem „forte" und der klaren Intonation gaben dem Konzert eine berührende, sogar bewegende Ausdruckstiefe. Die besondere Akustik der Kirche mit ihrem dezenten Hall förderte ebenfalls die Magie des Singens. Unter den vier nicht-zeitgenössischen Kompositionen des Programms gehörte das prominente „Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen" von Johannes Brahms sicher zu einem der Höhepunkte.
„Es ist einfach nur phantastisch wie Jonas Dickopf aus ganz wunderbaren Sängern einen hervorragenden Chor geformt hat", bringt Gerhard Brücker seine Begeisterung über das Konzert am Ende zum Ausdruck.
Licht in der christlichen Liturgie
In der biblischen Schöpfungsgeschichte ist das Licht eine Metapher für alles Göttliche. Angefangen von Gott als Schöpfer, der sich selbst in der Bibel als das Licht darstellt, dann Jesus, der auch mit dem Morgenstern gleichgesetzt wird, das Wort Gottes, welches Licht auch in unser Dunkel bringt, und Klarheit verschafft.
Aber nicht nur das Wort Gottes ist Licht, sondern auch das Verstand- und Vernunftprinzip ist Licht. „Damit wird es möglich die Welt zu erfassen. Das hat uns Gott gegeben. So wie er auch das Licht in die Welt gegeben hat und die Dinge für uns sichtbar und erlebbar werden. Eine Umgebung wo wir uns zurechtfinden und einrichten können. Durch die Wahrheit und Weisheit die er uns durch das Wort gegeben hat ", so Jonas Dickopf.
Der Jubel ist die euphorische Hinwendung aus der Freude über das Licht. Der Titel des Konzertes wurde ganz bewusst so gewählt um das Wechselspiel das dialektische abzudecken. Sowohl das Licht, das von Gott kommt als auch das was der Mensch im Gegenzug zurückbringt. Der Jubel und die Freude aber es steckt auch in manchen der Stücke ein wenig Zerknirschtheit, aufgrund er eigenen sündigen Beschaffenheit, drin. „Man ist ja trotzdem Mensch und nicht bei Gott. Eben auch, dass wie der Mensch, das nicht bei Gott wahrnimmt, in Gestalt von Glanz und Herrlichkeit", so Jonas Dickopf.
Über das Vokalensemble
Fiat Ars wurde 2006 von Absolventen der kirchenmusikalischen C-Ausbildung im Erzbistum Köln gegründet und widmet sich sakraler A-cappella-Literatur aller Epochen von der Renaissance bis heute. Der Chor gastierte u.a. in den Konzertreihen "Geistliche Musik am Dreikönigenschrein", "Sonntagsmusik in St. Aposteln" und im Rahmen des jährlichen Oster- und Karmusikfestivals "festa paschalia". Darüber hinaus gestaltet der Chor regelmäßig Messen und andere Liturgien in Köln und Umgebung.
Die musikalische Genauigkeit und die stimmlichen Qualitäten der Sängerinnen und Sänger gelten in der Kölner Kirchenmusikerszene als herausragend.
Gespielte Stücke des Konzertes
- Edward C. Bairstow (1874-1946) Let all Mortal Flesh Keep Silence
- Heinz Martin Lonquich (1937) Zweite Hymne nach Jean Racine
- Stephen Harrab (1952) Quicumque Christum Quaeritis
- Leonhard Lechner (1553-1606) Nun Schein du Glanz der Herrlichkeit
- Kerry Andrew (1978) O Lux Beata
- Johannes Brahms (1833-1897) Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen
- Volker Wangenheim (1928) Ambulate Dum Lume Habetis
- Giovanni Pierluigi da Palestrina (1524-1594) Sies Sanctificatus
- Will Todd (1970) Christus est Stella Matutina
- Andrew Simpson Surge Illuminare
- Johann Eccard (1553-1611) Ic h lag in tiefer Todesnacht
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