Der Humorist Bill Mockridge ist keiner, der bloß schnelle Lacher fangen will
Düren. Ein Star sucht Tuchfühlung: Wiewohl er sicher auch den großen Saal hätte füllen können, setzte Schauspieler Bill Mockridge (Fans der „Lindenstraße" als Erich Schiller bekannt) bei seinem Düren-Gastspiel im Haus der Stadt auf eine intime Atmosphäre und trat mit seinem aktuellen Programm „Das Beste" im Foyer-Café „da capo" auf – als Premiere einer neuen Reihe, mit der Theaterchefin Monika Rothmaier-Szudy auf genau diese Nähe zwischen Künstler(n) und Publikum setzt.
Mockridge, der in Kanada geborene Bonner und Begründer des „Springmaus"-Theaters, packte nicht nur Humor, sondern auch und vor allem viel Lebensweisheit in sein Programm. Denn „Das Beste" ist nicht eine x-beliebige Auslese, die kreuz und quer durch das Lebenwerk, Sparte Solo, springt. „Das Beste" stellt vielmehr einen Querschnitt durch „Rostig, rostig", „Zipperlein" und „Kalk" dar, jene drei Programme, bei denen Mockridge (62) Männern beim Älterwerden quasi zuguckt.
Das Fräulein vom Amt
Da gibt es durchaus saftige, ironische und süffisante Bemerkungen über allerlei Wehwehchen – und auch einen Tipp, wie mann die eigene Senilität feststellen kann: Wenn er nämlich die holde Gattin mit der Fernbedienung des TV-Gerätes anzurufen versucht.
Ein Comedian, der bloß schnelle Lacher fangen will: So einer ist Mockridge sicher nicht – dazu geht er zu tief- und hintergründig vor. Vielmehr erweist er sich als Humorist, der seinen Zuhörern das Lachen auch mal vergehen lässt – zum Beispiel, wenn er von seiner ganz besonderen Beziehung mit Sally, dem Fräulein vom Amt, und der Nachricht von ihrem Tod erzählt. Lachen und Weinen: Das gehört bei Mockridge zusammen. Und weil das sich so verhält, ist aus dem Mann aus Kanada längst ein echter Rheinländer geworden. Dem Publikum in Düren hat nicht zuletzt diese Gratwanderung das Herz gewärmt.
Mehr zum Künstler im Internet: www.springmaus.com
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