Bisweilen mit drastischer Komik. Carsten Sebastian Henn überzeugt bei Lesung im Berufsförderungswerk
Düren. Der Förderverein des Berufsförderungswerks (BfW) Düren, dessen Mitarbeiter an der Karl-Arnold-Straße Blinde und Sehbehinderte für einen neuen Start ins Leben schulen, wagte die Premiere – und sie darf als geglückt bezeichnet werden: Zum ersten Mal richtete die Initiative im Ausbildungshaus des BfW eine Lesung aus. Krimis mit regionalem Touch vom Allerfeinsten standen auf dem Programm. Der Autor, der – begrüßt von Berufsförderungswerk-Mitarbeiter Lars Bongartz – hinter dem Tisch im Konferenzraum Platz nahm, zählt sogar zu den richtig prominenten in der Szene: Carsten Sebastian Henn, der in Hürth bei Köln lebt, lässt seine spannenden Geschichten mit Vorliebe im hillije Kölle oder an der Ahr spielen. Wobei Letzteres seinen guten Grund hat: Henn ist nicht nur Schriftsteller, sondern auch Weinkenner und -kritiker – und zwar ein sehr renommierter und professioneller.
Seine Kunst besteht aber nicht nur im gekonnten Fabulieren von Texten. Was den vielen Blinden und Sehbehinderten in dem voll besetzten BfW-Raum hörbar mindestens ebenso viel Freunde bereitet hat: Henn liest seine Sätze nicht nur einfach so vom bedruckten Papier ab, sondern trägt sie kunstreich vor, lässt kraft seiner Stimme das ganze Geschehen plastisch lebendig werden, als er (übrigens in dessen sechstem Fall mit dem Titel „Carpe Vinum") den Heppinger Sternekoch Julius Eichendorff (ein Schelm, wer da nicht an den ganz realen Stefan Steinheuer denkt) rund um die Ahr und ihre Rebhänge auf Fahndung schickt.
Ebenso wenig fehlt dem Verfasser das Gespür für bisweilen drastische Komik: Das Opfer, der Bäcker Hubert Lorenz, wird mit den Spitzen scharfkantiger Brötchen erstochen und wohnt in einem Haus, dessen Fassade in einem Farbton namens „Roggenmischbrot-Braun" gestrichen ist. Damit nicht genug: In Eichendorffs Restaurant tafelt unter anderem der Seniorensportverein „Turne bis zur Urne". Kulinarisch geht es bei diesen Krimis halt nicht nur von der geschilderten Szenerie, sondern auch von der Sprache und dem Vortragsstil des Autors her zu.
Es blieb skurril
Nach der Pause blieb es skurril: Da geriet der Kölner Mafia-Pate unter Mordzwang – und das eines Wolfsbarsches wegen. In der zweiten Geschichte schließlich entschieden Senioren in einem Gladbecker (oder war es in Bottrop?) Altenheim die Frage, wer denn der älteste Mann der Welt sei, so, wie es sich in einem Krimi gehört – mit einem Mord natürlich.
Ansonsten zeigte sich auch abseits der vom Geschäftsführer des Fördervereins, Sascha Fackeldey, initiierten Lesung, dass Carsten Sebastian Henn ein Autor ist, der weiß, was er seinem Publikum schuldet: Beim Signieren nämlich kam kein Zuhörer, der eines der (Hör-)Bücher gekauft hatte, zu kurz.
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