Kein angestaubtes Hobby: Briefmarken werden generationenübergreifend gesammelt. Dürener Klub feiert 85. Geburtstag mit einer Leistungsschau.
Düren. Was Menschen recht ist, kann Vereinen nur billig sein: groß zu feiern, wenn sie das Glück haben, 85 Jahre alt zu werden. Darum ließen sich die Briefmarken-Sammler Düren nicht lumpen, als die Mitglieder dieses Klubs am Wochenende jenes Jubiläum begingen: Im Foyer des Hauses der Stadt organisierten die Philatelisten eine Leistungsschau, die starke Beachtung fand und den Anhängern des Hobbys Gelegenheit sowohl zum Betrachten der Exponate als auch zum Tausch oder Kauf von gezackten Kostbarkeiten bot.
Viel gab es zu sehen – zum Beispiel, quasi außerhalb der Reihe, Albert Jonas' Zusammenstellung von Ansichtskarten mit Motiven aus dem Düren vor der Zerstörung am 16. November 1944. Im Gegensatz dazu stellten sich die restlichen der insgesamt 41 Aussteller der Jury, die die im Foyer platzierten Schautafeln nach allen Regeln des Bundesverbandes deutscher Philatelisten bewertete. Die attraktiv dargebotenen Schautafeln machte es den Preisrichtern schwer: Deutsche Trachten waren ebenso zum Thema geworden wie „Post- und Zeitdokumente des ehemaligen Staates Preußen" (von Albrecht Bunge, „Die Segelschulschiffe der Gorch-Fock-Klasse" (Manfred Karres), Einschreibe- und Nachnahme-Aufkleber oder viele andere Sammlungen – eine Tatsache, die auch Ausstellungsleiter Harald Mohr froh stimmte.
„Gerade im Herbst und Winter, in der kalten Jahreszeit, hat unser Hobby Hochkonjunktur." Klaus Goslich, Vorsitzender der Briefmarken-Sammler
Da zeigte sich dann auch, dass das Sammeln von Briefmarken mitnichten eine Sache von alten Herren weit jenseits der Pensionsgrenze ist. Die Jugendgruppe der Dürener Gastgeber zeigte mit „Berühmte deutsche Frauen – was hat sie berühmt gemacht?" eine erstaunlich unkonventionelle Art, die Welt der Postwertzeichen zu betrachten. Kinder und Jugendliche waren mit 16 Ausstellern sowieso eine im Haus der Stadt stark vertretene Gruppe. Mit Exponaten unter Titeln wie „Die Stockwerke des Waldes", „So eine Schweinerei" und „Der Sport und ich" dokumentierten Jungen wie Mädchen, dass es in der Philatelie um mehr geht als nur mit der Pinzette ein gezacktes Stückchen Papier neben das andere zu stellen. Dass Briefmarkensammeln in und um Düren bei Alten wie Jungen Zukunft hat, dokumentierte im Übrigen auch der Stand der Organisatoren: Dort stellten sich der 68-jährige Hans Doschat aus Düren und der 13-jährige Thomas Oepen aus Ellen dem Gespräch mit den Besuchern. Eine besondere Attraktion hatten sie auch zu bieten: eine Wühlkiste voller Marken, in der eine Nachbildung der Blauen Mauritius versteckt war – dem Gewinner winkte ein Preis.
„Station von Stadtgeschichte"
Andere Attraktionen hatten Dagmar Höver und Bruno David vom Dürener „Erlebnis Briefmarke"-Team der Post zu bieten. An ihrem improvisierten Schalter drückte das Team Sonderstempel um Sonderstempel (es gab zwei Ausfertigungen) auf die Umschläge. Dem vielseitigen Angebot der zweitägigen Jubiläumsschau zollten auch die Redner bei der Eröffnung ihren Respekt. Bürgermeister Paul Larue erhob die Ausstellung zur „Station von Stadtgeschichte" und attestierte: „Sie machen Düren ein doppeltes Geschenk: eine attraktive Ausstellung und damit das schöne Geschenk, die ganze Welt en miniature betrachten zu können." Klaus Goslich, Vorsitzender der Briefmarken-Sammler und zugleich kommissarischer Leiter des Philatelisten-Landesverbandes Mittelrhein, sah die Sache eher praktisch: „Gerade im Herbst und Winter, in der kalten Jahreszeit, hat unser Hobby Hochkonjunktur."



